Sie befinden sich auf unserer alten Schulhomepage

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

Sie befinden Sie hier auf der alten Version unserer Website, die bis zum 19.11.2017 online war und gepflegt wurde. Seit dem 19.11.2017 finden Sie unsere neue Website unter www.sickingengymnasium.de. Diese (alte) Version unserer Website wird nicht mehr aktualisiert und gepflegt.

Das Autorenteam des SGL

"Zwei Jahre kein Lebenszeichen" aus der RHEINPFALZ vom 17.04.2013

LANDSTUHL: Buddy und Gerti Elias erinnern an die Geschichte der jüdischen Familie Frank

Von Monika Klein

Die Zeit des Nationalsozialismus erscheint jungen Menschen häufig weit entfernt. Rassismus, Judenverfolgung und Holocaust sind für sie abstrakte Begriffe, die mit ihrem heutigen Leben nur wenig oder nichts gemeinsam haben. Buddy Elias, letzter direkter Verwandter von Anne Frank, und seine Ehefrau Gerti gaben bei ihrer gestrigen Lesung im Sickingen-Gymnasium teils bedrückende Einblicke in diese Zeit und ihre ganz persönliche Familiengeschichte.Ein Zufallsfund auf einem Dachboden in Basel bildete die Grundlage für das Buch „Grüße und Küsse an alle“ der Autorin Mirjam Pressler, aus dem das Schweizer Ehepaar rezitiert. Entstanden ist es aus mehr als 6000 Briefen, Dokumenten und Fotos der Familie Frank, die Gerti Elias in alten Schränken und Kisten entdeckt hatte. Der Buchtitel bezieht sich auf eine in der Familie übliche Grußformel auf Briefen. Gespickt mit Erläuterungen, Erzählungen und persönlichen Erinnerungen lässt das Werk eine Zeit lebendig werden, die von der Ungewissheit über das Schicksal einzelner Familienmitglieder geprägt war.Buddy Elias, der mit seiner Familie noch vor der Machtergreifung Hitlers von Frankfurt in die neutrale Schweiz gezogen war, erinnert an den „ominösen Tag“, die Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933. Dieser hatte Folgen für die Schwestern Anne und Margot Frank. „Margot war sehr gescheit, aber sie wurde vom Lehrer ganz nach hinten gesetzt“, berichtet Elias. Weiter beschreibt der 87-Jährige Demütigungen, Beleidigungen und tätliche Übergriffe gegenüber jüdischen Schülern.

„Wenn’s Judenblut vom Messer spritzt, dann geht’s noch mal so gut.“ Dieses Lied, das die SA-Horden auf den Straßen grölten, habe den Ausschlag dafür gegeben, dass die Franks nach Holland auswanderten. Dort scheinen sie zunächst sicher vor Verfolgung. Doch ihre Lage ändert sich, als Margot in ein Arbeitslager gebracht werden soll. Sie leben in einem Versteck, abgeschnitten von der Außenwelt. „Wir haben zwei Jahre lang kein Lebenszeichen bekommen. Wir wussten nicht, was mit ihnen ist“, berichtet Elias. Aus dieser Zeit stammt das Tagebuch der Anne Frank.

Auf den Verrat folgen die Transporte in Arbeits- und Konzentrationslager. Es folgen ergreifende, bewegende und erschütternde Schilderungen über das Auseinanderreißen der Familie. Mutter Edith und ihre beiden Töchter gehen daran zugrunde. Immer wieder ist die Ungewissheit über das Schicksal der einzelnen Familienmitglieder Thema in Telegrammen, im Schriftwechsel ist die Sorge um die Kinder spürbar. Zwischen den Zeilen sind die Ängste und Nöte deutlich präsent.

Mehr als einmal stockt Elias im Verlauf der einstündigen Lesung und hält tief ergriffen einen Moment inne. Die über 200 Schüler der achten und neunten Klassen wirken aufmerksam und konzentriert. Zum Teil haben sie sich nach vorne gebeugt, wollen den Erzählungen etwas näher kommen, vielleicht, weil das Mädchen Anne und ihr vier Jahre älterer Cousin Gestalt angenommen haben.

Nur wenige ihrer Fragen können im Anschluss an die Lesung beantwortet werden. Sie möchten wissen, wie lange Anne Franks Vater gelebt hat oder erkundigen sich nach dem Schicksal der Angestellten, die der Familie geholfen haben.

Vor der Bühne der Schulaula hat die Landstuhler Buchhandlung Böhm einen Büchertisch aufgebaut. Zahlreiche Schüler greifen zur Lektüre, die sie sich dann auch signieren lassen. Die 14-jährige Nora Krull aus Hornbach hat bereits vom Schicksal Anne Franks gehört. Nora hat sich „Grüße und Küsse an alle“ bestellt. Sie ist sich sicher, dass sie das Buch lesen wird. Auch für Jakob Leitheiser aus Hauptstuhl ist das Thema nicht unbekannt. „In unserer Klasse haben wir ein Referat über Anne Frank gehalten“, erzählt der 13-Jährige. „Ich hätte nicht gedacht, dass noch jemand aus dieser Zeit lebt.“

Schulleiterin Andrea Meiswinkel ging bei ihrer Begrüßung darauf ein, dass es immer schwieriger werden wird, Zeitzeugen zu finden. Mit dieser Lesung möchte die Schule zum Lesen animieren und die Gräueltaten des Nationalsozialismus verdeutlichen. „Es geht darum, Jugendliche auf Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus aufmerksam zu machen“, sagt Buddy Elias. „Ich habe die Hoffnung, dass diese inhumanen Ideale bekämpft werden.“ Schöne Momente bei diesen Lesungen sind für ihn, wenn die jungen Leute zuhören, lernen und sich engagieren.

 

Den Artikel aus der Rheinpfalz vom 7.04.2013 als PDF sehen Sie hier!